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Wing Tsun

Schöner Frühling – oder:
Was hat eine chinesische Nonne mit Shaolin Kung Fu zu tun?

Zu Beginn möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Sie spielt im alten China zu Zeiten der Shaolin Mönche. Dort lebte eine Frau mit Namen Ng Mui. Sie war die einzige buddhistische Shaolin-Meisterin und lehrte zusammen mit anderen Mönchen im legendären Shaolin Kloster.

Als das Kloster auf Befehl der Regierung zerstört wurde und viele ihrer Mitbrüder starben, zog sie sich zurück. Sie übte im Geheimen weiter. Eines Tages beobachtete sie den Kampf zwischen einem Kranich und einem Fuchs. Das faszinierte sie. Der kräftemäßig unterlegene Kranich wehrte sich gekonnt gegen den Fuchs. Sie analysierte dieses Erlebnis und entwickelte ein vollkommen neues Konzept der Selbstverteidigung, das die Schwächen des herkömmlichen Stiles beseitigte.

  • Einen augenscheinlich überlegenen Gegner mit Methode besiegen statt mit Kraft!

Die Geschichte geht noch weiter, wild und romantisch zugleich.
Ein junges, hübsches Mädchen wurde zur Namensgeberin der neuen Kunst. Sie hieß Wing Tsun – Schöner Frühling, und lernte bei ihr, sich mit der neuen Stilrichtung gegen einen brutalen Dorfbewohner zu wehren, der ihr nachstellte. Am Ende wurde alles gut, und das Mädchen heiratete den Mann, den sie liebte.

Was ist Wing Tsun (WT) heute?
WT ist intelligent, intensiv und vielfältig. Es ist eine Form der Selbstverteidigung, die Sie in die Lage versetzt, sich gegen körperliche Angriffe zu wehren. Körperliche und geistige Fähigkeiten werden gezielt und wirkungsvoll eingesetzt. Sie kämpfen taktil, gefühlsmäßig und kontrolliert zugleich. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, die eine neue Form der Wahrnehmung vermitteln und das Selbstbewusstsein steigern. Die Kraft des Angreifers wird genutzt und gegen ihn selbst gelenkt.

  • Wing Tsun ist Logik und persönliche Weiterentwicklung.
  • Wing Tsun ist keine Anhäufung stereotyper Techniken
  • Wing Tsun ist universell und situationsbezogen
  • Wing Tsun ist gewaltfrei, intensiv und vielfältig.

Die Bewegungen fließen und gehen mit Schnelligkeit in systematische und koordinierte Bewegungsabläufe über.
Gezielte Entspannungs- und Konzentrationstechniken sowie Atemübungen tanken den ganzen Körper wieder auf.

Woraus besteht Wing Tsun?
Es besteht aus drei Ebenen. In der ersten Ebene lernt man, sich vor Angriffen zu schützen und seine Bewegungen gezielt anzupassen.

In der zweiten, der mittleren Ebene erlernt man strategisch vorzugehen.

In der dritten Ebene geht es darum, sich selbst zu besiegen. Angst, Frust, Hass, schlechte Gewohnheiten….

Gibt es Graduierungen?

Es gibt vier Fertigungsgrade im Wing Tsun. Die 12 Schülergrade, die 4 Technikergrade, 4 Praktikergrade (Meistergrade) und die 3 philosophischen Grade (Großmeistergrade). Zur Unterscheidung der einzelnen Grade ist die WingTsun-Bekleidung mit verschiedenen Zeichen versehen.

Werden auch Waffen eingesetzt?

Im Wing Tsun kommen lediglich zwei Waffen zum Einsatz. Die eine ist das Schmetterlingsmesser mit einer Länge von 40 – 50 cm, die andere ist der Langstock, der bis zu 2,25 m Länge aufweisen kann.

Gibt es eine Kleidervorschrift?

Das Training sollte immer in der vereinsmäßig vorgeschriebenen Trainingskleidung stattfinden. T-Shirt im Sommer oder einem Pullover für die kältere Jahreszeit. Das WT-Graduierungsabzeichen muss sichtbar daran aufgenäht sein. Zur Ausstattung gehört auch eine graue Sporthose.

Leichte Slipper verhindern Verletzungen bei Fußtritten. Schutzbekleidungen wie Faustschützer und Tiefschutz (bei Männern) sind Pflicht. Wer ohne sie trainiert, handelt leichtsinnig. Empfehlenswert sind außerdem Schienbeinschützer und (für Frauen) Brustschutz.

Gemeinsamkeiten Wing Tsun und Escrima

Sowohl Wing Tsun als auch Escrima bezeichnet man als lebendige Stile, da sie sich über die Jahrhunderte den neuen Gegebenheiten angepasst haben. Die Gemeinsamkeiten sind im wesentlichen taktischer Natur:

  • sowohl im WT als auch im Escrima sind Abwehrbewegungen und Gegenangriff eine Bewegung, wodurch dem Angreifer die Chance genommen wird, einen zweiten Angriff zu starten.
  • Beiden Stilen gehen offensiv nach vorne, in den Gegener hinein, was im Wing Tsun als Vorwärtsspannung und im Escrima als Focus bezeichnet wird.

Im Praktischen gibt es jedoch große Unterschiede:

  • Während Escrimadores die weite Distanz bevorzugen, um die Reichweite ihrer Waffe am besten zu nutzen, ist die beste Distanz für das Wing Tsun der Nahkampf.-
  • Schrittarbeit: Beim Wing Tsun lastet das Gewicht auf dem hinteren Bein, was zum Beispiel einen schnelleren Richtungswechsel möglich macht. Außerdem ist das vordere Bein so gegen Angriffe besser geschützt, da es weich nachgeben kann. Der Escrimador kann das Gewicht auf dem vorderen Bein belassen, weil es durch die Reichweite seiner Waffe vor Angriffen geschützt ist. Dadurch erzielt er eine größere Reichweite.

Für wen ist Wing Tsun geeignet?

Jeder Mensch, der keine gravierenden körperlichen Handicaps hat, kann sich durch regelmäßiges WT-Training seine natürlichen körperlichen Anlagen und sein Gefühl für instinktive Reaktionen wieder aneignen.

Der Wing Tsun Kämpfer wird in Sekundenbruchteilen zum Albtraum jedes Angreifers – er weicht nicht zurück, sondern klebet ohne Zögern am Gegener, läst ihm durch gleichzeitige Attacken auf verschiedenen Angriffsebenen weder Zeit noch Raum, seinen Angriff zu organisieren und drängt ihn so in hilflose Abwehr.

Was ist das Besondere an Wing Tsun?

In fast allen anderen Kampfsportarten wird nach strikten Regeln gekämpft. Es sind antrainierte Fertigkeiten, die vorgeschriebenen Regeln eingesetzt werden. Doch die Realität eines Angriffs wird nie nach festem Schema ablaufen. Ein Angreifer “draußen” wird sich an keine Regeln halten! Und hier liegt der große Vorteil von Wing Tsun. In realen Voraussetzungen führen solche stereotypen Handlungen zur Einschränkung der Verteidigungsfähigkeit. Beim Wing Tsun lernt man strategisch-technische Bewegungen und effektive Selbstverteidigungsmöglichkeiten.

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